Albert Steiner

 

Albert Steiner (1877-1965) gehört zu den herausragenden Schweizer Fotografen des 20. Jahrhunderts. Seine Landschaftsfotografien aus dem Engadin, wo er während 46 Jahren lebte und arbeitete, sind auch im internationalen Vergleich einzigartig. Sie haben die Wahrnehmung der Schweiz als unverdorbenes Alpenland von paradiesischer Schönheit wesentlich mitgeprägt. Inspiriert von Malern wie Giovanni Segantini und Ferdinand Hodler schuf Steiner Bilder, die Ausdruck einer tiefen Naturverehrung, einer unermüdlichen Suche nach zeitloser Schönheit und metaphysischer Wahrheit sind. Seine sorgfältig aufgebauten, lichtdurchfluteten Kompositionen bringen eindrucksvoll die Erfahrung menschlicher Nichtigkeit angesichts der Grösse und Erhabenheit der Bergwelt zum Ausdruck. Erstaunlicherweise hat Steiners Werk aber bis heute nicht die Wertschätzung erhalten, die es verdient.
Quelle: fotostiftung.ch

 
BIOGRAFIE

1877Geboren in Frutigen als ältester Sohn von acht Kindern eines Bäckermeisters.

1880Die Familie zieht nach Thun und eröffnet dort eine eigene Bäckerei.

1892Beginnt beim Vater eine Bäckerlehre, die er nach wenigen Wochen abbricht.

1892 – 1897Fotografenlehre beim Thuner Fotografen Jean Moeglé. Nach dem Tod der Mutter muss Steiner die Lehre unterbrechen, um in der Munitionsfabrik Geld zu verdienen.

1897Eintritt ins international bekannte Atelier des Genfer Fotografen Fred Boissonnas.

1898 – 1901Tod des Vaters. Rückkehr nach Thun und Übernahme der Bäckerei bis 1901. Wird Mitglied des Schweizerischen Alpenclubs und unternimmt in der Freizeit zahlreiche Bergtouren. Fotografiert im Hochgebirge. Steiner sehnt sich nach künstlerischer Tätigkeit ohne Kommerz. Er setzt sich intersiv mit religiösen Fragen auseinander und findet aus christlichem Glauben zu einer sehr persönlichen Naturverehrung.

1901Wiederaufnahme der Arbeit in Boissonnas Genfer Grossbetrieb. Mehrwöchige fotografische Expedition für Boissonnas in den Bergen um Chamonix.

1904Eigenes Fotostudio in Genf. 1. Preis für «Freilichtstudien» an Zürcher Ausstellung.

1905Eröffnung eines Fotostudios in Bern mit Bruder Hermann.

1906Übersiedlung nach St. Moritz; Anstellung beim Fotografen und Maler Walther Küpfer. Steiner entdeckt die Engadiner Landschaft auf sonntäglichen Bergtouren. Seine Landschaftsbilder finden guten Absatz, der blühende Tourismus trägt zum wirtschaftlichen Erfolg bei.

1909Eröffnung eines eigenen Fotostudios in St. Moritz, Ausstellung eigener Arbeiten.

1910Meisterkurs in München.

1910Ehe mit Helene Hirsbrunner, die wesentlich zum Aufbau eines lukrativen Postkartenhandels beiträgt. In den folgenden Jahrzehnten wird Steiner zum wichtigsten Bildlieferanten für die Engadiner Tourismuswerbung. Zwischen 1911 und 1920 kommen fünf Kinder zur Welt: Hans, Albert, Margrit, Fritz, Heidi.

1914 Ausbruch des Ersten Weltkriegs; zahlreiche Diensttage als Fotograf und Festungspionier.

1915Zusammen mit dem Fotografen Robertson Eröffnung eines gemeinsamen Ateliers für Porträtaufnahmen, das bis ca. 1919 besteht.

1917Bei militärischer Erkundungsmission im Gebirge gerät Steiner für drei Wochen in italienische Kriegsgefangenschaft.

1924Eröffnung eines Ateliers in den Räumen des ehemaligen Restaurants «Innfall». In den 20er Jahren fotografiert Steiner im Auftrag des Elektrizitätswerks St. Moritz wiederholt die Eisbildung im St. Moritzersee zu wissenschaftlichen Zwecken. Aufträge für Engadiner Grand-Hotels. Der Kurverein St. Moritz bietet Originalfotografien von Steiner zum Kauf an.

1927Engadiner Landschaften mit Begleittext von Erwin Poeschel.

1930Ausstellung «60 auserlesene Oberengadiner Sommerbilder» im Grand Hotel St. Moritz. Schnee Winter Sonne mit Text von Felix Moeschlin. Steiners Landschaftsbilder finden internationale Verbreitung in Büchern und Zeitschriften.

1937Karl Foerster, Albert Steiner, Blumen auf Europas Zinnen.

1938Die vier Jahreszeiten. Wort und Bild mit Texten von Gottardo Segantini.

1939 – 1944Massiver Auftragsrückgang aufgrund des Zweiten Weltkriegs.

1944Serie über Stauseen und andere Anlagen der Kraftwerke Oberhasli im Auftrag der Bernischen Kraftwerke AG. Bernische Kraftwerke und Kraftwerke Oberhasli mit Beiträgen Steiners (1946).

1948Winter-Olympiade in St. Moritz. Steiners Fotografien werden in zahlreichen Werbeprospekten und Broschüren für Tourismus und Sport verwendet.

1949Übergabe des Geschäfts an Sohn Hans; Übersiedlung mit Gattin nach Frutigen.

1950Selbstmord des Sohns Fritz während des Aktivdienstes.

1965Tod Albert Steiners.

 
ARTNEWS ABONNIEREN
 
IHRE EMAIL ADRESSE
© 2019 ARTWORKS24 GmbH • Türkheimerstrasse 16 • CH-4055 Basel • Tel. +41 61 556 25 69